rattentränen
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Die Tränen einer Ratte

 

Einsamkeit, obwohl ich mitten unter Menschen stehe.

Nacht in mir, obwohl das Licht vom Himmel scheint.

Es ist als ob ich mich aus weiter Ferne wandern sehe,

getrennt von allen durch eine bodenlose Dunkelheit.

 

Ich kann sicher sagen, wann diese Zeit begonnen hat,

kann sagen, wann ich mich von jedem Mensch entfernte.

Es war mir deutlich vorgezeichnet auf dem langen Pfad,

den ich für mich im Geist der alten Wege gehen lernte.

 

Ich lernte lesen, worüber nie ein Wort geschrieben wurde,

ich lernte sehen, wo nie ein Schein von  Licht zu sehen war.

Erkenntnis und Verstehn das ist die schlimmste Bürde,

das wurde mir am Ende meines langen Weges klar.

 

Ich hab nicht nur mit mir gekämpft und auch gewonnen,

hab Furcht verscheucht und auch die Angst besiegt.

Doch etwas wurde mir dabei auch weggenommen,

etwas, das sonst im Herzen jedes Menschen liegt.

 

Nun bin ich hier und sehe auf mich selbst herab,

betrachte mich dabei und muss mich staunend fragen:

Was ist es nur, was ich vor langer Zeit verloren hab?

was von mir hab ich da verlassen und begraben?

 

Es ist da etwas, das mich von den Menschen trennt,

es wird wohl nie mehr vollends hell in meiner Seele,

ich leb seitdem mit meiner eignen Dunkelheit,

in der ich mich gepanzert und auch geborgen fühle.

 

Nur manchmal, wenn das Herz und die Gefühle siegen,

 bekommt der Panzer Risse und ich steh im Licht,

dann bin ich weich, verletzlich, und auch kleinzukriegen,

ich bin verwirrt, denn so ein Lichtbad mag ich nicht.

 

Drum bin ich stets voll Vorsicht und bin auf der Hut,

zeig keine Blöße, um nur nicht ungeschützt zu stehen,

doch wie es unterm Panzer aussieht das versteck ich gut,

die Tränen einer Ratte wird niemand jemals sehen.

 

 

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